Interessenvertretung der HonorardozentInnen für Deutsch als Fremdsprache
Praktikertreffen Bamberg
Miriam Herrmann von Aktion Butterbrot nahm auf Einladung des BAMF an einem Praktikerseminar in Bamberg teil.

Praktikertreffen Bamberg am 7.7.2005 in Bamberg:

"Entwicklung von Integrationskursen für spezielle Zielgruppen"

Ort: Das Seminar fand vom 6.7.05, 12.30 Uhr bis 7.7. 18 Uhr in einem Kongresshotel in Bamberg statt. Da wir sehr kurzfristig eingeladen wurden, konnte ich erst am Donnerstag Abend anreisen. Ich hatte erst am Morgen erfahren, dass das Seminar schon am Mittag des 6.7. beginnen würde. KollegInnen vor Ort haben mir aber darüber berichtet, was am Vormittag gelaufen war.
Teilnehmer:
Es waren 36 Teilnehmer auf der Liste, davon 13 vom Bamf und Dr. Hauschild vom BMI, 10 Vertreter der Bewertungskommission (z.B.: BMI Schleswig-Holstein, Prof. Ehlich (LMU), Huber (Bayer. Staatsministerium), Senatsschulverwaltung Berlin, Bundeszentrale für polit. Bildung, Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, Bundesministerium für Familien..., Bundeszentrale für politische Bildung etc.) 13 weitere geladene Vertreter anderer Institutionen (z.B.: TU Darmstadt, Bildungszentrum Nürnberg, VHS München, Schul- und Kultusreferat München, Deutscher VHS Verband, Uni Bamberg, Lehrstuhl für Iranistik etc und AKTION BUTTERBROT)

Thema des Seminars: "Entwicklung von Integrationskursen für spezielle Zielgruppen"

Das ganze war als Workshop konzipiert und es wurden in 3 Arbeitsgruppen Konzepte entwickelt für spezielle Integrationskurse, für Zielgruppen, die einer besonderen Förderung bedürfen, und zwar Frauenkurse, Alphabetisierungskurse, Integrationskurse für Jugendliche.

Herr Schindler (BAMF) wollte mich unbedingt in der Alpha Gruppe haben, da sie die kleinste Gruppe war. Ich lehnte das aber ab, da ich keine Erfahrung mit Alphakursen habe; außerdem baten mich Ingrid Veicht (MVHS) und Frau Ueffing (Schul- und Kultusreferat München) dringend in die Gruppe der Frauenkurse zu gehen, da dort am Vortag wohl die Frage aufgekommen war, ob man überhaupt Frauenkurse brauche und sie zusätzliche Unterstützung durch mich als Befürworterin von Frauenkursen wollten. Wobei sich die Befürchtung, dass man die F-Kurse ganz canceln könnte, schnell als unbegründet herausstellte. Auch, weil ich bei Frauenkursen weiß, wovon ich rede, bin ich in diese Gruppe gegangen. Es wurde in dieser Gruppe ein genaues Konzept ausgearbeitet, inwieweit sich die Inhalte; Ziele etc. dieser Kurse, von denen der allgemeinen Integrationskursen unterscheiden und wie dieses Konzept aussehen muss. Ich möchte das , wie gesagt hier nicht näher ausführen, da ich es vorliegen habe.

Nur in Kürze:

Geplant sind auch flankierende Maßnahmen, wie z.B. Vorkurse, kursbegleitende Angebote und Maßnahmen, die nach Beendigung des Integrationskurses in Frage kommen. Kinderbetreuung soll offen werden für alle Kurse (auch die allgemeinen) Die Qualität der Kinderbetreuung soll verbessert werden evtl. mit Konzepten der frühkindlichen Sprachförderung etc. Die Frage der Finanzierung ist völlig offen geblieben und auch an den 600 Stunden wurde weiter festgehalten. Im großen und Ganzen scheint sich nicht allzu viel zu ändern.

Tiefgreifendere Veränderungen scheinen für Alpha und Jugendintegrationskurse geplant zu sein.
Jugendkurse:
Die 600 Stunden sollen auf 900 erweitert werden um reellere Voraussetzungen für eine Ausbildung zu schaffen. Die Kursinhalte wurden sehr genau definiert (Berufsorientierung, PC, jugendnahe Themen etc - Konzept bring ich mit). Entscheidend wird sein, dass in Zukunft nur noch Lehrer in diesen Kursen unterrichten dürfen, die eine spezielle Ausbildung haben (pädagogisch, didaktisch, d.h. Lehrer, die speziell für Kinder und Jugendliche ausgebildet sind), bzw. es werden intensive Fortbildungen für diese Kurse verlangt. Auch ein erfahrener DaF-Lehrer darf hier nicht mehr unterrichten. Wie und wer finanziert das? Keine Antwort. Es werden außerdem nur noch Träger für solche Kurse zugelassen, die über einen PC-Raum verfügen.
Alphakurse:
Hier ist sehr viel geplant, hier soll alles anders und besser werden. Es soll 8 Module a 50 UE geben, d.h. 400 UE insgesamt, wobei nicht jeder TN zwangsläufig alle Module durchlaufen muss. Die Kurse sollen homogenisiert werden, d.h. Unterscheidung zwischen Erstalphabetisierung und Umalphabetisierung etc. Wobei es keine speziellen Alphakurse für Frauen mehr geben soll, um die Kurse sinnvoll füllen zu können und weil auch für Männer Bedarf besteht. Auch hier dürfen nur noch Lehrer unterrichten, die speziell ausgebildet sind bzw. spezielle Fortbildungen absolviert haben. Interessanterweise soll hier ein Mindesthonorar für die KL festgelegt werden (Höhe unbekannt). Auf meine Frage, warum nur hier: die Arbeit sei anspruchvoller und schwieriger als "nur" DaF zu unterrichten. Außerdem wäre sie mit mehr Vorbereitung verbunden, da es kaum Material und Bücher gebe und der KL alles selbst erstellen muss.
Fazit:
Für Jugendintegrationskurse und Alphakurse muss mit einschneidenden Veränderungen gerechnet werden. Die Frauen könnten in den Genuss von mehr Zusatzangeboten kommen, die Kinderbetreuung wird allen Integrationskursteilnehmern offen stehen. Die Frage nach der Finanzierung wurde immer wieder gestellt, aber konnte nie befriedigend beantwortet werden. "Wir werden sehen, wo Bedarf ist muss man Mittel locker machen ....."

Es war ein rein praktisches Seminar. Trotzdem konnte ich immer wieder auf die prekäre Situation ganz unten hinweisen. Es gab viele Möglichkeiten immer wieder (in den Pausen, beim Essen) über andere Dinge zu reden. Vor allem mit Frau Cichos und Dr. Griesbeck konnte ich mehrmals ganz in Ruhe sprechen.

Ich denke, mit der wichtigste Nebeneffekt ist, dass wir ein Gesicht bekommen haben. Die Aktion Butterbrot wurde personifiziert und ich denke wir werden jetzt eher als real existierende Personen wahrgenommen und nicht nur als eine unbequeme Organisation von "Querulanten". Ich wurde wirklich sehr freundlich und offen aufgenommen und meine Meinung wurde nicht nur gehört, sondern sie war auch gefragt.

Frau Cichos und Herr Griesbeck versicherten, dass sie es sehr gut fanden, dass einer von uns dabei war und versprachen, uns auch in Zukunft bei solchen Seminaren mit einzuladen (na, schau ma mal). Herr Griesbeck hat auch noch einmal betont, dass er unsere Forderungen ernst nimmt und sich für uns einsetzt (er hat sie auch schon nach oben weitergeleitet) und dass er versuchen wird, ein Mindesthonorar durchzusetzen.

Viele liebe Grüße euch allen Miriam
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